Geschichte

Unsere Verbindung wurde am 10.04.1919 im Hänchen in Bonn gegründet. Hierzu einen kleinen Auszug aus dem Bericht “Wie gründet man eine Studentenverbindung?” von AH Mummendey, der diese Gründung selber miterlebt hat.

“(…) In welcher Lage befanden wir uns damals im Winter 1918/19? Als Achtzehnjährige hatte man uns von der Schulbank weggeholt, uns in einem Notabitur die “Reife” attestiert und uns nach einer kurzen Kaserç  an die Front geschickt in einen Krieg von unvorstellbarer Härte, der nur noch in den Augen der Unbelehrbaren zu einem siegreichen Ende zu führen war. Dann waren wir nach Hause zurückgekehrt und fanden uns (…) alle, die wir vorher gemeinsam auf der Schulbank gesessen hatten, an derselben Universität in Bonn wieder. Was lag näher, als eine Wiedersehensfeier zu verabreden? Wir waren Freunde gewesen und wollten es wieder sein, sonst nichts. (…) So trafen wir uns erst einmal im Restaurant “Kaiserhof” (…) und freuten uns darüber, dass wir (…) uns heil wieder zusammengefunden hatten. Und weil es so gut gelungen und so harmonisch verlaufen war, wurde der Vorschlag laut, eine ständige Einrichtung daraus zu machen. (…) Bestand die Möglichkeit gemeinsam in eine der vorhandenen Korporationen einzutreten? Als Soldaten hatte es nur die wenigsten von uns berührt, ob der eine Katholik und der andere Protestant war. Was wir von unserem Nebenmann zu halten hatten und was wir von ihm in der einen oder anderen Situation erwarten konnten, das waren die Überlegungen, die uns bewegt hatten, und dahinter waren die im Zivilleben herrschenden unterschiedlichen Meinungen völlig zurückgetreten. Aber jetzt waren sie wieder da und brachten nachdrücklich ihren Standpunkt zur Geltung: KV, CV, SC, DB, Wingolf und andere, und es war keineswegs so, dass alle in unserem Kreis, die sich da zu einem frohen Wiedersehen zusammengefunden hatten, gegen diese wieder auseinanderführenden Anschauungen unempfindlich gewesen wären. (…) Das erste Anliegen war die Freundschaft, die wollte man sich nicht stören lassen, deshalb sollte ein neuer Bund gegründet werden, der sich unabhängig machte von konfessionellen und parteilichen Standpunkten und von Bestimmungsmensuren, die uns in ganz besonderem Maße unangebracht erschienen, nachdem uns der soeben beendete Krieg Proben an Mut und Disziplin in ganz anderer Art in reichlichem Umfange abverlangt hatte.(…) So kamen wir dann am 10. April 1919 im “Hähnchen” zusammen, um den Bund zu gründen (…). Als man sich bei einer Diskussion gegenüber der Menge der in Bonn vorhandenen studentischen Verbindungen nicht schlüssig werden konnte, zog er, der Student der Chemie (Standop), ein chemisches Lehrbuch aus der Aktentasche und meinte, in der Atomgewichtstabelle befänden sich so viele wohlklingende Namen, davon ließe sich sicher einer verwenden. So kam er, nach dem Element Ruthenium, auf den Namen Ruthenia, und da uns nichts Besseres einfiel, blieben wir dabei und setzten, um so einen wesentlichen Teil unserer Prinzipien zum Ausdruck zu bringen, die Abkürzung I. V., d.h. Interkonfessionelle Verbindung davor. (…) Als Wahlspruch wählten wir unserem wichtigsten Anliegen, der Freundschaft, entsprechend “Amicitia cum fide”! (…)

Im Jahre 1928 wurde sodann auch ein eigenes Heim bezogen, welches sich in der Herwartstraße in Bonn befand. Allerdings musste man dieses im Jahre 1931 durch die geringe Anzahl der Aktiven wieder aufgeben.

Am 8. Mai 1929 änderten wir schließlich unseren Namen in “Burschenschaft im VDB Cheruskia”. Denn schon in den ersten Jahren des Bestehens unserer Verbindung ergaben sich aus dem Namen leichte Schwierigkeiten. Entweder konnte ein Außenstehender nichts damit anfangen oder man verband den Namen entsprechend den traditionellen Korporationsbezeichnungen mit dem Volksstamm der Ruthenen (Weißrussland). Der Name Ruthenia setzte Vorurteile, denen man sich damals entledigen wollte. So entschied man sich schließlich für den Namen Cheruskia.

Wie warscheinlich für viele andere Korporationen auch, wurde das WS 1933/34 für die Cheruskia zu einem der schwersten Semester. Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB) gab auf Weisung der Regierung bekannt, dass alle Korporationen, die bis zum 8. Januar 1934 kein Kameradschaftsheim mit wenigstens 16 Betten aufzuweisen hatte, suspendiert werden würde. Um der Auflösung zu entgehen, wurde kurzerhand am 1. Januar 1934 ein Haus in der Weberstraße gemietet. Man passte sich zwar äüßerlich dem Nationalsozialismus an, damit der Bund weiterhin bestehen bleiben konnte, aber wenn sich mal ein Bundesbruder als zu nazistisch erwies, wurde ihm der Rat gegeben, möglichst geräuschlos auszutreten.

Zu Beginn des Jahres 1936 wurde eine Nachwuchssperre über die Korporationen verhängt. Doppelmitgliedschaften in Korporationen und Parteiorganisationen waren nicht erlaubt. Allerdings musste jeder Student einer Organisation angehören, um überhaupt Examen machen zu können. Ein Übergang als Kameradschaft in den NSDStB kam für die Cheruskia aber auf keinen Fall in Frage, so dass ein Weiterbestehen der Aktivitas nicht mehr möglich war. So wurde am 8. April 1936 folgendes beschlossen:

“Die einheitliche und weltanschauliche Erziehung der gesamten Studentenschaft im Sinne des Nationalsozialismus ist im Rahmen einer hergebrachten  Korporation nicht möglich. In Würdigung dessen beschließt die Aktvitas der Burschenschaft Cheruskia, mit dem 18. Gründungstag, dem 10. April 1936, den Weg für eine andere studentische Gemeinschaft durch ihre Auflösung freizugeben.”

Der AHV blieb dennoch weiterhin bestehen.

Der Krieg zerstreute die Bundesbrüder der Cheruskia an alle Fronten. Ein erstes größeres Zusammentreffen kam am 3. Dezember 1949 zustande. Etwas später stellten sich auch die traurigen Lücken heraus, die der Krieg in die Kette der Cheruskia gerissen hatte. So waren 13 Cherusker gefallen und 8 Cherusker waren verschollen.

Der Krieg konnte die Cheruskia vielleicht auseinander reißen, aber die Freundschaft hielt sie zusammen. So traf man sich wieder regelmäßig zu Stammtischen und im Rundschreiben vomMai 1954 verkündete man schließlich stolz:

“Wir freuen uns, mitteilen zu können, dass bei dem von den in Bonn und Umgebung sesshaften AHAH am Montag, dem 10. Mai, im Restaurant “Zur Post” in Bonn veranstalteten Stammtisch die Aktivitas der Burschenschaft im VDB Cheruskia mit den Farben violett-weiß-grün und dem Wahlspruch “Amicitia cum fide!” neu gegründet wurde.”

1977 wurden per Conventsbeschluss die ersten weiblichen Mitglieder aufgenommen, was das Bundesleben entschieden belebte.

Im Jahre 1981 kam es zur Fusion mit der Kölner Burschenschaft Baldur, deren Farben wir seid dieser Zeit als Tradtionsband tragen.